Mar
18
Filed Under (Uncategorized) by admin on 18-03-2008

„Wo ist Ihre Frau, Herr Ledewandt?” fragte Bek-ker.Becker, leider kein großer Psychologe, behauptete später, Ledewandt habe vor

dem letzten Wort kurz gestockt. „Wohin?” „Sie hat gesagt: nach Angermünde zu ihrer Schwester Karla.” Das kam so langsam und beinahe zögernd, daß

Becker erstaunt die Brauen hob. „Sie hat gesagt”, wiederholte er, „wissen Sie das denn nicht sicher?” Ledewandt schüttelte den Kopf und

wiederholte leise: „Sie hat es gesagt.” Becker räusperte sich. „Ihre Frau könnte Sie also belogen haben?” Ledewandt nickte bekümmert. „Wie wir die

letzte Zeit zueinander standen, wäre das gut möglich.” Becker überlegte: Sollte der ziemlich beschränkt wirkende Mann so raffiniert sein, um

vorzubauen, falls wir seine Frau nicht bei ihrer Schwester finden? „Haben Sie die Anschrift?” fragte er. Klaus Ledewandt zuckte leicht zusammen;

offenbar hatte er diese naheliegende Frage nicht erwartet. Er ist, folgerte Becker, kein logischer oder gar wendiger Denker. „Nein”, erklärte

Ledewandt verlegen. „Ich weiß nicht einmal Karlas jetzigen Familiennamen. Sie hat vor kurzem geheiratet.” „Wäre es möglich, daß Ihre Frau Sie auch in

dieser Sache belogen hat?” Ledewandt atmete unverkennbar auf; diese Frage schien ihm, obwohl beschämend, willkommen zusein. „Wie wir in letzter Zeit

zueinander standen, wäre das gut möglich”, wiederholte er monoton. „Ihre Frau ist sieben Jahre älter als Sie, nicht wahr? Wie ist es zu dieser Ehe

gekommen?” Ein Anflug von Lächeln kam in Ledewandts bleiches Gesicht. „Ich bin immer schon auf ältere Frauen geflogen, und …”
„Etwas anderes, Herr Ledewandt”, unterbrach ihn Becker. „Sie haben doch früher, sagen die Nachbarn, nie im Garten gearbeitet; das hat stets nur Ihre

Frau getan.”
„Weil Siegi Spaß daran hatte. Sie ist von Natur eben so.”
„Nun, es gibt in einem Garten ja nicht bloß so anstrengende Tätigkeiten wie beispielsweise das Ausheben einer Grube.”
Ledewandt lächelte jetzt sogar. Er war gar nicht, wie Becker erwartet hatte, erschrocken oder auch nur betroffen. War er auf diese Frage vorbereitet

gewesen?
Jedenfalls antwortete er flüssig und sichtlich unbefangen: „Ich hatte aus Kummer, weil Siegi mich verlassen hat, drei Tage lang stark getrunken. Ich

kann es immer noch nicht fassen, daß sie weg ist. Sie hat immer gesagt, sie hätte mich aus Liebe geheiratet. Doch man kann ja nicht ewig

weitertrinken. Deshalb habe ich mir, um darüber hinwegzukommen, etwas im Garten zu schaffen gemacht und eine Grube gebuddelt.” „Nachts?”
Er hob etwas verlegen die Schultern. „Es war Vollmond. Ich hatte vorher lange genug geschlafen.” Sein Blick streifte wie zur Erklärung die leeren

Schnapsflaschen in der Ecke.
„Mußten Sie nicht tagsüber beruflich tätig sein?” „Eigentlich ja. Aber ich habe blaugemacht. Ich habe mich vor den Anpflaumereien der Kollegen

gefürchtet.”
„Ihre Kollegen konnten doch gar nicht wissen, daß Ihre Frau Sie verlassen hatte.” „Das habe ich mir nicht überlegt. Ich war völlig durcheinander.”
„Und jetzt haben Sie sich gefangen?” „Einigermaßen”, antwortete er. Da warf ihm Becker plötzlich schroff die entscheidende Frage hin: „Was wollten

Sie in dem Loch vergraben?”
Doch überraschend prompt, mit kleinem Aufatmen sogar, kam die Antwort: „Gerumpel, das sich im Laufe der Jahre hinterm Haus angesammelt hat.” Er stand

auf und deutete aus dem rückwärtigen Fenster: „Da, sehen Sie.”
Becker erblickte einen großen Schutthaufen. Er nickte zerstreut. Selbstverständlich hätte er nach dem jetzigen Stand der Ermittlung-wegen

Verdunklungsgefahr - eine Hausdurchsuchung vornehmen können. Aber ohne schriftlichen Befehl und ohne vorher die erforderlichen Zeugen herbeigeholt zu

haben, täte er so etwas nur im Notfall.
„Wenn sich tatsächlich der Verdacht verdichtet”, erklärte er, als er Brückner berichtete, „wäre auch morgen noch eine in diesem Haus versteckte,

verwesende Leiche unschwer zu finden. Übrigens”, schloß er etwas sprunghaft, „habe ich auch das zwei feihafte Vergnügen gehabt, diese Evelyn Burger

kennenzulernen. Klarer Fall von hysterischem Geltungstrieb. Sie muß unentwegt das Nachbarhaus beobachten, denn sie sah mich hineingehen und nachher

herauskommen. Als ich um die Ecke des Heckengangs gebogen war, kam sie aufgeregt hinter mir her. ,Haben Sie die Tote gefunden, Herr Kommissar?’ fragte

sie.” Becker lachte. „Natürlich wieder flüsternd. Aber als ich den Kopf schüttelte, rief sie schrill: ,Also läuft der Mörder weiter frei herum, und

ich kann sein nächstes Opfer sein! Weil ich ihn angezeigt habe …’ Es war gar nicht so leicht, die sonderbare Dame abzuschütteln.”
Obwohl nur der Mädchenname Karla Haff ke bekannt war, bedeutete es für den Fahndungsdienst eine Kleinigkeit, in Angermünde festzustellen, daß es dort

überhaupt keine Schwester der verschwundenen Sieglinde Ledewandt geborene Haffke gab und nie gegeben hatte. Frau Sieglinde hatte demnach ihren Mann

oder dieser Oberleutnant Becker belogen. Nun war also doch eine Hausdurchsuchung fällig. Nicht etwa, um nach einer Leiche zu suchen - denn wo sollte

diese, ohne sich bei dem relativ warmen Wetter in dem kleinen, nicht einmal unterkellerten Holzbau sogleich bemerkbar zu machen, vier, fünf Tage lang

stecken? -, sondern die von Frau Ledewandt hinterlassenen oder gerade nicht hinterlasse-nen Kleidungsstücke zu überprüfen. Es gibt nämlich, selbst

wenn eine ganze Menge Zeug zurückbleibt, bei einer Frau stets bestimmte Gegenstände - Toilettenartikel, Schmuck und dergleichen, die, je nachdem, ob sie fehlen oder noch vorhanden sind, sehr aussagekräftig sind.

Post a Comment
Name:
Email:
Website:
Comments:
Disco Virage Osnabrück Free Ranking CSS HL2 TF2 Karton, Paletten, Big Bag Schönes für Kinder