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Filed Under (Uncategorized) by admin on 18-03-2008

Brückner ließ sich den Durchsuchungsbefehl unterschreiben und begab sich mit Lorenz in die Kolonie „Erntesegen”.
Klaus Ledewandt empfing die beiden Kriminalisten sichtlich erleichtert. Das Zimmer war aufgeräumt und sauber. „Gott sei Dank”, sagte er, „jetzt ist

alles klar.” Und bevor Brückner den Durchsuchungsbefehl aus der Tasche ziehen konnte, reichte er ihm einen Brief. „Meine Frau hat geschrieben. Aus

Hamburg. Sie hat immer schon gesagt, daß sie abhauen wollte; jetzt hat sie’s getan. Es ist erwiesen.”
Brückner überflog die wenigen Zeilen. „Ich bin hier in Hamburg bei meinem Jugendfreund Jens-Dieter. Mit meiner Rückkehr kannst du nicht mehr rechnen.

Am besten, du reichst die Scheidung ein.
Das war unmißverständlich. Der „Mordfall” war damit erledigt. Lorenz grinste lausbubenhaft, als sie gingen. „Mal eben nach Hamburg fahren”, sagte er,

„heutzutage eine Kleinigkeit, nicht wahr?” „Nun, was ist, meine Herren?” Evelyn Burger verstellte ihnen den Weg. Ihre Augen

funkelten sensationslüstern. „Die Ermordete ist vergnügt und munter”, raunzte Brückner. „Sie läßt Sie bestens grüßen.” „Nein, so was”, stammelte sie

und zog sich gekränkt hinter ihre Gartenpforte zurück.

Es wird bei uns oft über Routine und Bürokratismus geschimpft, nicht selten, wenn es um die Arbeit unserer Volkspolizei geht. Meist zu Unrecht.

Jedenfalls wäre der Fall Ledewandt wohl nie aufgeklärt worden, hätte nicht Hauptmann Brückner - ganz routinemäßig und ohne jede Erwartung - den Brief

aus Hamburg zur Prüfung ins Kriminalistische Institut geschickt. Das Gutachten war verblüffend. Die Analyse ergab, daß die Schrift mehr als zwei

Wochen alt war. In der Wohnungsverwaltung des Bezirks fand Becker einen alten Beschwerdebrief und mehrere Eingaben, die Frau Ledewandt geschrieben

hatte. Der Schriftenvergleich in der Abteilung Grafik bewies einwandfrei, daß der Hamburger Brief keinesfalls von ihrer Hand stammte. Zu allem

Überfluß fanden sich auch noch zwei deutliche Fingerabdrücke Klaus Lede-wandts auf dem Briefbogen und keine anderen.
Nunmehr mußten Brückner, Becker und Lorenz zwei Nächte lang Außendienst tun, denn sie ließen es sich nicht nehmen, den interessant gewordenen Fall

persönlich abzuschließen.
In der zweiten Nacht, morgens gegen halb fünf Uhr, wurde die Haustür leise von Frau Burger geöffnet. Sie kam heraus. Ihr folgte Klaus Ledewandt. Beide

spähten zunächst nach allen Seiten; dann zogen sie ein längliches, in Leintücher gehülltes und verschnürtes Etwas heraus, schleppten es

zum Zaun und wälzten es hinüber.
Als sie drüben die Leiche in die Grube gezerrt hatten und eben mit dem Zuschütten beginnen wollten, wurden sie verhaftet.

Beim Verhör prahlte die Hysterikerin, ohne im geringsten zu spüren, wie lächerlich sie sich damit machte, wie überaus schlau sie gehandelt habe. Sie

behauptete überzeugt, wenn ihr derzeitiger Liebhaber Klaus Ledewandt „nach der Tat nicht so viel getrunken und sich beim Verhör nicht so dämlich

angestellt hätte”, wäre ihre wohlüberlegte Anzeige das zuverlässigste Mittel zur Ablenkung der Polizei gewesen, und der daraufhin „wegen erwiesener

Unschuld” freizusprechende, charakterschwache, aber im Bett leistungsfähige Klaus Ledewandt hätte ihr, wie sie sich ausdrückte, „ganz gehört”. Jetzt

aber würde er - was sie natürlich nicht voraussah - wegen Beihilfe zum Mord verurteilt werden und einige Jahre einer Haftanstalt „ganz gehören”,

während sie, der Mordtat überführt, in einer geschlossenen Anstalt für Geisteskranke ihr weiteres Leben zu verbringen hatte. Thomas Kanthaak, einundvierzig Jahre alt, in gewissen Kreisen und von seiner siebzehnjährigen Geliebten Rosemarie Pauder „Massi” genannt, war nach

zweieinhalb Jahren im Januar 1960 aus dem Zuchthaus entlassen worden.
Er war an einem Raub von mehr als 400 000 Mark Lohngeldern beteiligt gewesen. Dieses Verbrechen war mit besonderer Frechheit ausgeführt worden und

hatte einem Angehörigen des Betriebsschutzes das Leben gekostet; einer der Einbrecher hatte den Mann, ehe dieser zur Waffe greifen konnte, mit einem

Brecheisen niedergeschlagen. Das mußte morgens gegen fünf Uhr geschehen sein, kurz nachdem die plombierten Geldbeutel in dem altmodischen Stahlschrank

des Kassenraums deponiert worden waren und der polizeilich gesicherte Transportwagen das Werkgelände verlassen hatte.

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