Mar
18
Filed Under (Uncategorized) by admin on 18-03-2008

Zur Ausführung der Tat mußte ein Boot benutzt worden sein, denn Fräulein Böhme,Nichtschwimmerin, war bekleidet angeschwemmt worden. Wer hatte etwas

beobachtet, wer etwas gehört? Nachts waren alle Rettungsboote wie immer ziemlich hoch an Land gezogen, die Riemen entfernt, Hilf smotore, mit denen

einige Boote ausgestattet waren, demontiert worden. Gab es Fischerboote in der Nähe? Wem gehörten sie, konnten sie unbemerkt von Fremden benutzt

werden?
„Es ist doch kaum anzunehmen, daß die Tat tagsüber begangen wurde”, schloß ich.
„Kaum”, bestätigte Major Polaroff. „Dazu sind Strand und Meer bis spätabends viel zu belebt.” Es wäre sinnlos gewesen, über ein mögliches Tatmotiv zu

grübeln. Wir trennten uns. Jeder würde, so machten wir aus, den anderen auf dem laufenden halten.
Während nun die Badegäste eifrig ihren Urlaubsfreuden nachgingen, sich in der Sonne bräunten, im Meer tummelten, abends tanzten, gelegentlich Ausflüge

machten, arbeitete ich nicht weniger eifrig, als sei ich in Berlin im Dienst. Ich glaube, es waren fünfzig oder mehr Gespräche, die ich anknüpfte und

- meist gar nicht zum Vergnügen der Belästigten - zäh und unbeirrbar durchführte. Leider fast durchweg ergebnislos.
Frau Buhl wußte nicht mehr oder wollte nicht mehr wissen, als sie bereits meinem Kollegen Polaroff erzählt hatte. Sie tat, als sei es eine persönliche

Beleidigung, daß sie durch eine zufällige Zimmergefährtin in einen Kriminalfall verwickelt worden war. Sie war eine hübsche, aber kratzbürstige

Kleinbürgerin ohne irgendwelche erkennbaren geistigen Interessen. Nein, Bekannte oder gar Freunde habe sie hier keine. Ob sie, fragte ich, Fräulein

Böhme für einen besonders unternehmungslustigen Menschen gehalten habe. „Ja”, meinte sie gedankenlos, „denn ein anständiges junges Mädchen bleibt doch

nicht nächtelang außer Haus.”
Das Ehepaar Böttcher schilderte Rita Böhme als einen ruhigen, intelligenten Menschen. Sie habe aufmerksam die in der Hotelhalle ausgelegten Zeitungen

gelesen und sich über vieles mit ihnen unterhalten. „Auf uns machte Fräulein Böhme den Eindruck eines wohlunterrichteten Menschen; nicht wahr, Helga?”
Seine Frau bestätigte es lebhaft. „Sie war überhaupt sehr sympathisch. Ich kann mir gar nicht denken, daß da, wie man munkelt, irgendwelche

Männergeschichten mit im Spiel gewesen sein könnten. Fräulein Böhme wirkte, alles in allem, sehr solide.” Ganz ähnlich sagten auch mehrere andere

Badegäste aus; allerdings hatte niemand die Ermordete näher gekannt.
Endlich stieß ich auf eine Spur. Hinter der Schranke des Empfangsraums im Hotel saß eine ältere Frau, die recht gut Deutsch konnte. Sie erzählte mir:

Vor vier Tagen, also kurz bevor Fräulein Böhme verschwunden sei, habe ein Mann nach ihr gefragt und einen Brief - eigentlich sei es nur ein

zusammengefalteter. Zettel mit der Zimmernummer gewesen - für sie abgegeben. Den habe sie Fräulein Böhme ausgehändigt, abends, vor dem Abendessen.

Fräulein Böhme habe das Blatt gelesen, dann aber erstaunt den Kopf geschüttelt und sei gegangen.
„Schien Fräulein Böhme belustigt, betroffen oder aufgeregt?” fragte ich. „Nein, nur erstaunt.” „Und was geschah mit dem Zettel?” „Den stopfte

Fräulein Böhme nachlässig in ihre Hosentasche.”
Ich fragte die Frau, warum sie diese Beobachtung nicht längst der Polizei mitgeteilt habe. Sie zuckte die Achseln. „Am nächsten Tag war ich

dienstfrei, und dann habe ich es vergessen.” Was das für ein Mann gewesen sei? „Ein grauhaariger mit kurzgeschnittenem Bürstenbart , nicht groß, nicht

klein, nicht dick, nicht dünn.” „Gut angezogen?” Daran erinnerte sie sich nicht mehr. Wie er denn gesprochen habe? „Deutsch, aber nicht richtig.”

„Wieso nicht richtig?” „Wie wenn er ein Ausländer wäre.” „Ein Bulgare?” „Nein, das auf keinen Fall.”
Mehr war aus der recht phlegmatischen Frau nicht herauszuholen.
Ich traf mich mit Polaroff, berichtete ihm und machte, da mittags eine IL 18 nach Berlin flog, den Vorschlag, dort Ermittlungen anzustellen und

gegebenenfalls auch Auskünfte von den Plauener Kollegen einzuholen. Natürlich war er damit sehr einverstanden und führte sogleich die erforderlichen

Telefongespräche.
Übrigens konnte auch er mir einiges Neue mitteilen. Es war inzwischen ermittelt worden, daß Frau Buhl noch nie in der Bar des Hotels gewesen war. Man

legte dem Mixer und seiner mitarbeitenden Frau - beide sehr aufgeweckte junge Menschen - Fotos von Fräulein Böhme vor. ,,Auch diese Dame war nie

hier”, erklärten beide sehr bestimmt. Noch durchdenkenswerter war für mich etwas anderes. Fischerboote gab es weit und breit keine, wohl aber lag alle

paar hundert Meter ein Rettungsboot. Von diesen Booten war, nach einhelliger Aussage des zuständigen Personals, bestimmt keines in der Nacht benutzt

worden.

Post a Comment
Name:
Email:
Website:
Comments:
Timeout statt Burnout Ray of Light Esoterik Com Das innovative Geschenk Deko Großhandel